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Die Theaterarbeit der Schule am Sonnenhof.

Die Sonnenhofschule, eine Förderschule für geistig behinderte Schüler, stellt ihre theaterpädagogische Arbeit vor. Sie hat sich auf Schwarzlichttheater spezialisiert. Das Schwarzlichttheater ist vor allem ein Theater der Effekte, ein nonverbales Theater, bei dem Farb- und Musikeffekte Magie und Traumwelten erzeugen. Der Zuschauer sieht in einem vollkommen dunklen Raum, dessen Bühne mit einem speziellen UV-Licht ausgeleuchtet ist, alles, was weiß oder von fluoreszierender Farbe ist. Der Schauspieler selbst ist gänzlich schwarz verhüllt und entwirft mit selbst gefertigter Requisite eine imaginäre Welt.




Der Ursprung des Schwarzlichttheaters

Das Schwarzlichttheater wurde mit dem chinesischen Puppenspiel entwickelt und von Max Auzinger, Schauspieler und Direktor des nationalen Theaters Berlin, etwa um 1900 mit seinem Stück "Das verschwundene Pferd" auch bei uns erprobt. Im 1930 gegründeten Prager Marionettentheater wurde eine Kombination aus Musik, Tanz, Pantomime und Schwarzlichttheater vorgestellt. Die Prager Theatergruppe "Laterna Magica" zeichnete in den sechziger Jahren für den internationalen Durchbruch des Schwarzlichttheaters verantwortlich. In Deutschland überzeugte diese Theaterform mit Rainer Pawelke und seiner Traumfabrik in den achtziger Jahren.

Darstellerische Möglichkeiten des Schwarzlichttheaters

Das Schwarzlichttheater lässt sich heute in Schulen ausgezeichnet als Mischform präsentieren. Seine dramaturgischen Mittel, das Fliegen, Verwandeln und Verschwinden von Gegenständen, lassen sich mit einem sichtbaren Personenauftritt verbinden. Ein Magier kann seine Zaubershow leiten, ein Zirkusdirektor seine Vorstellung begleiten oder ein Conférencier seine Revue ankündigen. Geschichten lassen sich inszenieren und musikalisch begleiten, Gedichte in Bühnenbilder umsetzen oder auch Rollenspiele und Tänze aufführen. Darüber hinaus kann ein Puppenspiel dargestellt werden.

Integrative Möglichkeiten des Schwarzlichttheaters

Durch die genannte Mischung künstlerischer Elemente eignet sich das Schwarzlichttheater für eine große Altersmischung und für behinderte und nicht behinderte Darsteller. Jeder Akteur kann eine Rolle ganz nach eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten übernehmen. Das Spektrum reicht dabei vom einfachen Effekt bis zur differenzierten Sprechrolle. Der Schauspieler selbst wird bei dieser Spielform nur selten sichtbar, d.h. auch die mögliche Behinderung des Darstellers tritt nicht in den Vordergrund. Dieses Unsichtbarsein hilft dem Behinderten oder Schüchternen, mögliche Bühnenängste zu überwinden. Hierin liegt aber auch die Gefahr, falsch verstandener Sonderpädagogik, denn auf der Bühne ist vom Publikum nicht mehr erkennbar, ob der behinderte Schauspieler selbst auf der Bühne agiert oder ein heimlicher Helfer ihm sein Tun aus der Hand nimmt. Richtig verstanden bietet das Schwarzlichttheater jedoch für jeden Spieler Möglichkeiten und Steigerungsformen. Darüber hinaus beinhaltet es einen gruppendynamischen Prozess, da ein kooperierendes Zusammenwirken auf der Bühne auf sehr engem Raum unerlässlich ist.

Die Theaterarbeit der Schule am Sonnenhof

Die Schule am Sonnenhof erarbeitet jedes Jahr für alle Klassen ein gemeinsames Thema, welches in diesem Jahr „Kinder aus aller Welt "lautet und von der Theaterarbeit in dem Stück "Eine Reise um die Welt" aufgenommen wird. Hierin wird für einzelne Kontinente und Länder Typisches dargestellt: ein landestypischer Tanz mit entsprechender Musik, die Lebensweise der Eskimos in einem Iglu und vieles andere mehr. Das Schwarzlichttheater wird ganzheitlich in den Unterricht eingebaut, durchzieht das Schuljahr und stellt mit der abschließenden Aufführung, an der Schüler unterschiedlicher Altersstufen gemeinsam beteiligt sind, einen seiner Höhepunkte dar. Die Schüler sehen und verstehen das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit im Stück. Das Integrative dieser Theaterform besteht somit nicht nur im gruppendynamischen Prozess der Schüler auf der Bühne und dem "jeder nach seinen Möglichkeiten" beim Spiel, sondern auch im Reisen und Auftreten in fremden Städten. Hier wird den Schülern die Möglichkeit der Begegnung mit nicht Behinderten gegeben. Die Anerkennung ihres Könnens durch den Applaus des Publikums während der Aufführung wie auch der Besuch von Restaurants und Jugendherbergen davor und danach verhelfen den Schülern zu einer freudvollen Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft.

Chronik der Theateraufführungen

Die Schule am Sonnenhof nutzt das Schwarzlichttheater vor allem, um sozialkritische Themen effektvoll zu präsentieren.

1992 Erste Erfahrungen mit dem Schwarzlichttheater in der Partnerschule Hiddinghausen NRW. Beide Schulen bewerben sich mit einem gemeinsamen Schwarzlichtprojekt um den Förderpreis der Robert Koch Stiftung und erhalten diesen in Höhe von 8.000 DM. Mit ihrem ersten Stück "Wir reisen nach irgendwo" treten beide Schulen im Sommertheater Pusteblume in Köln auf. Das Stück thematisiert Freundschaft und Akzeptanz.

1994 Beide Schulen führen ihr neues Stück "Der Umweltgeist" auf. Mit diesem leisten sie einen umweltpolitischen Beitrag und erhalten erneut den Robert Koch Förderpreis, diesmal in Höhe von 15.000 DM.

1995 Das neue mit dem Förderpreis gekürte Stück "Helfende Hände" beinhaltet Hilfe und Unterstützung im Alltag und verhilft jeder Schule zu 9.100 DM.

1996 Die Schulen präsentieren das Stück "Ewig bunter Zirkus". Zauberer, Tänzer, Clowns und Akrobaten zeigen auf der Schwarzlichtbühne eine Welt der Magie.

1998 "Brandenburg grüßt Köln". Die Schule am Sonnenhof interpretiert Brandenburger und Kölner Lieder. Sie proben eine Revue und werden mit Interviews und Probeaufnahmen im Abendjournal des ORB gesendet.

1999 Ein neues Umweltprojekt steht auf dem Spielplan: Flora und Fauna in Harmonie mit dem Menschen werden auf die Bühne gezaubert.

2000 Zum Theatertreffen des jungen Theaters Sonnenblume wird ein Gespensterspuk geboten. In der Folgezeit entsteht die Illustration des "Regenbogenfisches".

2001 Das zehnjährige Bestehen der Theaterarbeit der Sonnenhofschule und ihrer Partnerschule wird mit einer Aufführung szenischer Darstellungen der Höhepunkte aus vergangenen Stücken gefeiert.

2002 Eine Olympiade wird mit pompösen Effekten auf der Bühne entfaltet.

2003 Der Friedensappell" Kinder für eine bessere Welt" bietet auf dem Theatertreffen des "Jungen Theaters Sonnenblume" Denkanstöße. Im neuen Schuljahr entsteht das o.g. Stück "Kinder aus aller Welt".

2009 Ganz großes Theater mit viel Liebe zum Detail (Potsdam, 13./14. Mai 2009)

Vierhundert Kinder und Jugendliche aller Regionen des Landes Brandenburg zeigten beim
12. Theaterfestival der Schulen mit einem Förderschwerpunkt ihre großartigen Spielfertigkeiten.

Fast ein Jahr hatten sie gemeinsam mit Ihren Lehrerinnen und Lehrern Kostüme geschneidert, Kulissen gebaut, Choreographien entwickelt, die passende Musik gewählt und Texte einstudiert. Dann war es endlich soweit. Im Morgengrauen des 13. Mai bestiegen die Kinder und Jugendlichen voller Ungeduld den Bus in Richtung Landeshauptstadt: "Hurra, wir fahren nach Potsdam und zeigen was wir drauf haben."

Die Ungeduld wich der Konzentration als sich der schwere rote Vorhang der großen Bühne im Malteser Treffpunkt Freizeit für die Theatergruppen aus 25 Schulen öffnete und die hellwachen Augenpaare der jungen Künstler in Richtung Publikum blickten. An zwei Tagen führten die Schülerinnen und Schüler Theaterstücke auf, deren Einfallsreichtum die Zuschauer in Erstaunen versetzte. Es wurde getrommelt, gesungen, getanzt, jongliert, gerappt und alles mit einer Freude und Wahrhaftigkeit, die Seltenheitswert besitzt. Die Besucher sahen Atemberaubendes, Wunderschönes, Gesellschaftskritisches und Kurioses, arrangiert mit viel Witz und Liebe zum Detail. Wie in den vergangenen Jahren, stand das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund des Theaterfestes. Getreu dem Motto "Jeder nach seinen Fähigkeiten und alle gemeinsam", übernahmen die Stärkeren ganz selbstverständlich für die Schwächeren Verantwortung, ohne selbst die Heiterkeit zu verlieren. Jedes Ensemble erntete am Ende tosenden Applaus, wie ihn sonst nur Superstars entgegennehmen.

In den Pausen sorgten der tollpatschige Clown "Locci" (Wolfgang Lasch), die burschikos-rotzige Clownin "Fröken-Frädel" (Maria Lasch) und der Musiker Henryk Körbs alias "Brettschemel" mit viel Musik und feinsinnigen Sketschen für Unterhaltung der besonderen Art. Die Moderatorin Kerstin Priemer führte die Gäste mit einer Leichtigkeit durch das zweitägige Programm, die nur erahnen lässt, wie viel Spaß auch die Erwachsenen hatten. Für die Organisation des Festivals und das kulinarische Wohl der Gäste sorgten Schüler und Lehrer der "Schule am Nuthetal" unter der Gesamtleitung von Angelika Seifert. Die angehenden Betreuer für Heilerziehungspflege des Oberstufenzentrums "Johanna Just" übernahmen die aufwendige Pausengestaltung, so dass auch in der spielfreien Zeit der Spaß nicht zu kurz kam. Übernachtungsmöglichkeiten mit Campingambiente organisierte die Potsdamer Comenius-Schule für die vielen Festteilnehmer.

Dr. Tino Erstling